Damhirsch (Cervus dama)


Abbildung 25: Damhirsch mit typischer Sommerfellfärbung

Der Damhirsch kommt ursprünglich aus Südeuropa und Anatolien. Heute gibt es jedoch Vorkommen in ganz Westeuropa. 99

Die Körperlänge beträgt 1,30 m bis 1,60 m, die Schwanzlänge 16 cm bis 19 cm. Die Schulterhöhe ist ungefähr 1 m. Ein erwachsenes Tier wiegt zwischen 40 kg und 80 kg. Das Sommerfell hat ein helles Beige mit weißen Tupfen und weißer Bauchseite (siehe Abb. 25). Das Winterfell, das ab Oktober getragen wird, ist dunkler und besitzt keine Punkte mehr. Nur die männlichen Damhirsche tragen ein Geweih, das sich von dem des Rothirschs durch die breite schaufelartige Gestalt unterscheidet (siehe Abb. 26). In den ersten Jahren ist diese Form jedoch noch nicht zu erkennen (siehe Abb. 27). Beim Wachstum des Geweihs erfolgt die Aufspaltung auf eine andere Art und Weise, wie beim Rothirsch. Während bei diesem stets der hintere Ast dominiert, so ist beim Damhirsch zunächst der hintere Ast, dann aber der vordere dominant. Das Geweih wirft der Damhirsch im April ab und es entwickelt sich bis August komplett neu. Anstelle von vergrößerten Fangzähnen, wie beispielsweise bei den Wildschweinen, gibt es bei den Damhirschen im Oberkiefer nur Lücken. Damhirsche werden ungefähr 15 Jahre alt. 100

Abbildung 26: Damhirschgeweih mit typischer Verästelung
Abbildung 27: Junger Damhirschspießer mit

In Gefangenschaft sind Damhirsche gesellige Tiere und legen schnell auch ihre Scheu ab. In freier Wildbahn bilden die Damhirsche, wie nahezu alle übrigen Hirsche, getrenntgeschlechtliche Gruppen, die nur zur Paarungszeit aufgelöst werden. 101

Die Paarungszeit findet im September und Oktober statt. Der Nachwuchs – in der Regel nur ein Kalb - wird im Juni oder Juli nach 230 Tagen Tragzeit geboren und hat eine etwas dunklere Fellfarbe als die Erwachsenen. Mit 16 Monaten sind die Weibchen geschlechtsreif. 102

1979 startete der Zoologe Helmut Hemmer einen Versuch zur Domestikation der bereits zu dieser Zeit häufig in Wildgattern gehaltenen Damhirsche. Ziel dieses Versuchs war es, möglichst schnell eine Damhirschrasse mit haustiertypischen Eigenschaften zu züchten. Dabei war das Hauptziel, die Schreckhaftigkeit vor Menschen „wegzuzüchten“ und höheren Fleischertrag zu erzielen. Eine mit Domestikation erwünschte Veränderung bei Wildtieren ist die Verkleinerung des Gehirns. Diese Modifikation ist stets zu beobachten, weil Haustiere weniger geschickt auf Umweltsituationen reagieren müssen, als ihre Artgenossen in der freien Wildbahn. Haustiere brauchen also stets weniger Verhaltensrepertoire und damit weniger Hirnmasse als Wildtiere. Der Versuch Hemmers glückte innerhalb von nur 20 Jahren mit der Züchtung der Damhirschrasse Neumühle-Riswicker. Diese ist zahmer als ihre Artgenossen. 103 

Damit konnten zwei Dinge gezeigt werden. Einerseits, dass Domestikation relativ schnell möglich ist. Andererseits, dass sich auch heute noch von Wildtieren abgeleitet Haustierrassen züchten lassen. Damit ist der Damhirsch auf dem Weg, ein modernes Nutztier des Menschen zu werden.

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102 WALKER, 1975
103 THALLER, 2009