Höckerschwan (Cygnus olor)


Abbildung 1: Höckerschwan mit Küken; Foto: Tobias Spiech

Der größte einheimische Vogel in Deutschland ist der Höckerschwan. Er kann bis zu 152 cm groß werden und  ein Gewicht von 20 kg erreichen. Der schneeweiße Vogel besitzt einen langen Hals und einen orangeroten Schnabel. Seinen Namen verdankt er dem schwarzen Höcker am  Schnabelansatz. 1 Beim Männchen ist dieser Höcker stärker ausgebildet als beim Weibchen. Ansonsten gibt es keine Unterschiede zwischen den Geschlechtern. 2

Wenn sich zwei Höckerschwäne zu einem Paar gefunden haben, hält dieser Bund in den meisten Fällen für das ganze Leben. Stirbt einer der Schwäne, sucht sich der andere Schwan jedoch einen neuen Partner. 3

Ein Schwanenpaar kehrt zur Brut immer wieder in dasselbe Gebiet zurück. Das Weibchen wählt einen passenden Nistplatz am Ufer eines Gewässers. Das Nest wird größtenteils aus Wasserpflanzen gebaut. Es hat einen Durchmesser von bis zu zwei Metern und eine Höhe von circa 30 cm. Im April legt das Weibchen zwischen vier und acht Eier und bebrütet sie für ungefähr 35 Tage. 4 Während dieser Zeit bleibt das Männchen in der Nähe und ist besonders angriffslustig. Eindringlinge, die dem Nest zu nahe kommen, vertreibt das Männchen drohend mit aufgestellten Flügeln. Wenn die jungen Schwäne schlüpfen, werden sie zunächst noch 24 Stunden vom Weibchen gewärmt und getrocknet. Später werden sie zum Wärmen oft unter einen Flügel genommen. Die grau gefiederten Jungvögel folgen beim Schwimmen ihren Eltern. Da die Altvögel gegen mögliche Feinde sehr aggressiv sind, brauchen die Jungen keine Deckung. Erst nach viereinhalb Monaten beginnen die jungen Höckerschwäne zu fliegen. Sie bleiben noch bis ins nächste Frühjahr im Familienverband, viel länger als andere Jungvögel.  6

Schon seit mehreren Jahrhunderten wird der Schwan als Ziervogel gehalten. In früheren Zeiten war die Haltung der Schwäne nur Adeligen erlaubt. Inzwischen lebt der Höckerschwan in Mitteleuropa halbzahm bzw. halbwild an langsam fließenden oder stehenden Gewässern. Von Natur aus gehören Höckerschwäne zu den Zugvögeln. In Mitteleuropa verhält er sich dagegen wie ein Stand- bzw. Strichvogel. Wenn die Winter besonders kalt sind und die Höckerschwäne an den Gewässern keine Nahrung mehr finden, ziehen sie teilweise in günstige Bereiche von Städten.

Höckerschwäne erreichen im Vergleich zu anderen Vögeln ein sehr hohes Alter.  Beobachtungen zufolge können die Tiere so alt werden wie ein Mensch. Wissenschaftlich belegt ist jedoch nur ein Höchstalter von 19 Jahren. Früher wurde der Höckerschwan wegen seines Fleisches bejagt. Seine Eier wurden eingesammelt und verwertet. Heute sind Höckerschwäne geschützt. Die natürlichen Feinde der Schwäne sind Füchse, Marder, Hunde und Wölfe. Jungvögel werden manchmal von Seeadlern erbeutet. 7

Literaturverzeichnis

  • Bauer, K. M., & Glutz von Blotzheim, U. N. (1968). Handbuch der Vögel Mitteleuropas (Bd. 2). (G. Niethammer, Hrsg.) Frankfurt am Main: Akademische Verlagsgesellschaft.
  • Buck-Dobrick, T. (Mai 2009). Der Höckerschwan - ein angesiedelter Neubürger. Unterricht Biologie , S. 34-40.
  • Haag, H. (2012). Was fliegt denn da? Stuttgart: Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co KG.
  • Hilprecht, A. (1956). Höckerschwan, Singschwan, Zwergschwan. Wittenberg: A. Ziemsen Verlag.
  • Sauer, F. (1982). Wasservögel. (G. Steinbach, Hrsg.) München: Mosaik Verlag GmbH.

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1  Haag, Holger, Was fliegt denn da?, S. 75
2  Sauer, Frieder, Wasservögel, S. 84
3  Hilprecht, Alfred, Höckerschwan, Singschwan, Zwergschwan, S. 93
4  Bauer, Kurt M., Handbuch der Vögel Mitteleuropas, 2 – Anseriformes, S.35
Buck-Dobrick, Thorsten, Der Höckerschwan – ein angesiedelter Neubürger, S. 37
6  Bauer, Kurt M., Handbuch der Vögel Mitteleuropas, 2 – Anseriformes, S.36
7  Buck-Dobrick, Thorsten, Der Höckerschwan – ein angesiedelter Neubürger, S. 35-36