Hauskaninchen (Oryctolagus cuniculus forma domestica)


Abbildung 1: Hauskaninchen
Abbildung 2: Wildkaninchen
Abbildung 3: Feldhase

Als Vertreter der Lagomorpha ist im Wildpark Höllohe das Hauskaninchen (siehe Abb. 1), bzw. sind verschiedene Rassen dieser Art zu finden. Laut American Breeders Association können mindestens 66 Kaninchen-Rassen unterschieden werden. 7  Das Hauskaninchen stammt vom Europäischen Wildkaninchen ab, dessen Vorfahren seinerseits aus Asien stammen.

Die Vorfahren gehören der Familie der Leporidae (Hasen) an. Die bekanntesten rezenten 8 Vertreter dieser Familie sind der Feldhase und das Wildkaninchen. 9
 
Das Europäische Wildkaninchen kommt ursprünglich aus Westeuropa und Nordafrika, wurde jedoch durch den Menschen auch in anderen Teilen der Erde angesiedelt. Das Wildkaninchen wurde hauptsächlich als Fleisch- und Fellproduzent oder in mittelalterlichen Fürstenhöfen auch als Jagdtier domestiziert. In der Forschung werden Hauskaninchen als Labortiere eingesetzt. 10

Die Körperlänge des Kaninchens beträgt zwischen 35 cm und 40 cm mit einer Schwanzlänge von 6 cm und es wiegt zwischen 1350 g und 2250 g. Die Hinterläufe sind kürzer als die der Hasen. Die Fellfarbe des Wildkaninchens ist ursprünglich oben grau und bauchseitig weiß. 11 Ein unterirdisch angelegter Bau, der weit verzweigt sein kann, dient den Kaninchen als sicherer Rückzugsort und Schlafplatz. Kaninchen sind nachtaktiv und verlassen ihren Bau meist nur nachts oder in der Dämmerung. 12 Sie sind sehr gesellige Tiere und bilden Gruppen. 13

Die Paarungszeit bei Wildkaninchen, sowie allen anderen Lagomorpha ist photoperiodisch gesteuert. 14 D. h. die Fortpflanzungszeit richtet sich nach der Tageslänge und weiteren Umweltbedingungen, wie der Temperatur. Das bedeutet wiederum, dass in unseren Breiten die Fortpflanzungsdauer saisonal begrenzt ist. Wildkaninchen können zwischen Januar und August bis zu 6 Mal fünf bis sieben Junge werfen. Im Gegensatz zu den Hasen, kommen die Jungen der Kaninchen blind und nackt in eigens dafür angelegten Nestern unter der Erde zur Welt. 15 Trotz dieser hohen Reproduktionsrate, hat ein Weibchen pro Jahr durchschnittlich nur 10 bis 11,5 Nachkommen.  Bei Hauskaninchen kann die Fortpflanzungszeit verlängert sein. Die Tragzeit beträgt zwischen 28 und 33 Tage. 16

Bei der Einführung des Europäischen Wildkaninchens in andere Länder kam es vereinzelt zu explosionsartiger Vermehrung und daraus resultierenden Kaninchen-Plagen, wie beispielsweise in Australien. Die unkontrollierte Vermehrung wurde durch die gezielte Einführung von Myxomatose-Viren aus Südamerika eingedämmt. Nach anfänglichen Schwierigkeiten konnten bis zu 95% des Kaninchenbestandes ausgerottet werden, wobei aber Resistenzen auftraten. Anschließend waren in Gebieten, in denen die Krankheit ausgebrochen war, 20 - 30% der Tiere gegen Myxomatose resistent. Auch in Europa wurde versucht, den Myxomatose-Virus zur Kaninchenbekämpfung einzusetzen. Dabei wollte ein französischer Arzt mit zwei infizierten Kaninchen die Kaninchen in seinem Park ausrotten. Doch es blieb nicht nur dabei. Die Krankheit breitete sich innerhalb eines Jahres in Frankreich und anschließend in ganz Europa aus. 17

Im Wildpark Höllohe können verschiedene Rassen der domestizierten Form beobachtet werden. Dass es sich um Hauskaninchen handelt, erkennt man an den besonderen Merkmalen, die auf gezielte Züchtung zurückzuführen sind. So gibt es beispielsweise die Englischen Widder mit Schlappohren oder Rassen, die eine andere Fellfarbe als das Grau der Wildkaninchen aufweisen. Dennoch gehören alle Tiere der gleichen Art Oryctolagus cuniculus an.
Oft wird zwischen Hase und Kaninchen nicht genauer differenziert, obwohl es sich hierbei um verschiedene Arten handelt und beim zweiten Blick die Unterschiede auch schnell sichtbar werden. Eben dieser durch Verallgemeinerung entstandene Fehler taucht in der Höllohe auch im „Hasendorf“ auf. Dort ist tatsächlich kein einziger Hase zu finden, sondern nur Kaninchen. Unterscheidungsmerkmale von Kaninchen (siehe Abb. 2) und Hasen (siehe Abb. 3) sind folgende:

Der Hase besitzt lange Ohren (sog. Löffel) mit schwarzen Spitzen, die beim Umstülpen nach vorne über die Augen reichen. Bei Wildkaninchen sind die Ohren dagegen kürzer. Auch an den Beinen lassen sich schnell Unterschiede in der Länge feststellen. Beim Hasen sind die Vorderbeine länger, was ihn zu einem schnelleren Läufer macht. Die Fellfarbe ist beim Hasen braun, bei den Wildkaninchen grau. Durch Züchtung wurden manche dieser äußerlichen Unterschiede aufgehoben, was zu Verwirrungen führt. Ebenso werden die Kaninchen, die zum Verzehr gehalten werden „Stallhasen“ genannt, obwohl es sich auch hierbei um gezüchtete Kaninchen handelt. Betrachtet man die Neugeborenen und das Verhalten der jeweiligen Art, werden die Unterschiede erneut deutlich. Hasen leben ausschließlich über der Erde und haben ihr Nest in einer Erdmulde (sog. Sasse), während Kaninchen Gangsysteme unter der Erde bauen, dort in Kolonien leben und ihre Jungen zur Welt bringen. Kaninchen sind Nesthocker und bringen nackten Nachwuchs zur Welt, der einige Zeit in den Höhlen lebt. Hasen hingegen gebären sehenden und behaarten Nachwuchs, der bereits nach drei Wochen selbstständig ist. 18 Der natürliche Bautrieb der Kaninchen unter der Erde ist auch im „Hasendorf“ der Höllohe gut zu sehen.

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Rezente Arten: „Heute lebende Arten.“ (PURVES, SADAVA, ORIANS, & HELLER, 2006, S. 1489)
9  WALKER, 1975
10 WALKER, 1975
11 BREHM & DUNKEL, 1966
12 WALKER, 1975
13 WALKER, 1975
14 WESTHEIDE W., 2010
15 GRZIMEK, 2008
16  WALKER, 1975
17  BOBACK, 1970
18  Landesjagdverband Bayern e. V., 2012

Bildquellen:

Abb. 1: Ruth Rudolph / pixelio.de
Abb. 2: de.wikipedia.org/wiki/Wildkaninchen
Abb. 3: commons.wikimedia.org/wiki/File:March_Hare_-_geograph.org.uk_-_1508075.jpg