Mufflon (Ovis ammon musimon)


Abbildung 13: Mufflon

Das Mufflon stammt ursprünglich aus Korsika und Sardinien, wurde jedoch mehrere Male am europäischen Festland ausgewildert. 61  Es ist das einzige europäische Wildschaf.

Tiere der Gattung Ovis werden zwischen 1,20 m und 1,80 m lang und haben eine Schwanzlänge von 7 cm bis 15 cm. Das Stockmaß beträgt 1 m bei Männchen. Vertreter der Gattung wiegen zwischen 75 kg und 200 kg. Im Gegensatz zu Ziegen besitzen Mufflons keinen Bart. Mufflonwidder tragen große, spiralig gewundene Hörner und eine Art Mähne. Weibchen hingegen haben nur kleine Hörner. Es gibt viele Farbvarianten wie weiß, braun oder grau. 62

Den Sommer über bilden die Männchen eigene Gruppen abseits der Weibchen, die mit ihrem Nachwuchs zusammenleben. Typisch für wiederkäuende Pflanzenfresser ist, dass die Tiere zu einer bestimmten Tageszeit viel fressen und sich dann mehrere Stunden zurückziehen, um in Ruhe zu verdauen. Bei den Wildschafen sind das die Morgen- und Abendstunden. 63

Abbildung 14: Mufflon mit wolligem Winterfell

Die Paarungszeit der Mufflons fällt in den Oktober oder November. Ein bis zwei Jungtiere werden nach einer Tragzeit von 22 Wochen im März oder April geboren. 64

Was das Geweih beim Hirsch ist, sind die Hörner beim Mufflonwidder. Bei Kämpfen zwischen Widdern um den Harem kommt es zu heftigen Auseinandersetzungen, wofür die Hörner von großer Bedeutung sind. Die Kontrahenten laufen bei Rangkämpfen aus einiger Entfernung mit gesenktem Kopf ungebremst mit den Hörnern zusammen. Dabei kann es sogar zum Tod des Unterlegenen kommen. 65

Im Bau der Hörner gibt es jedoch Unterschiede zum Geweih. Während bei den Hornträgern (Bovidae) beide Geschlechter Hörner tragen, so ist das bei den Geweihträgern (Cervidae) anders. Die Steuerung des Hornwachstums wird also nicht so stark von männlichen Geschlechtshormonen bestimmt, wie das bei den Hirschen der Fall ist. Außerdem gibt es bei den Hornträgern keinen über das Jahr gesteuerten Wachstums- und Abwurfzyklus wie bei den Geweihträgern. Bei Hornträgern bleiben die Hörner permanent erhalten und wachsen ein Leben lang weiter. Dabei gibt es einen Knochenzapfen, der mit einer Lederhaut umhüllt ist, von der Hornmaterial nach außen abgeschieden wird. Ein Horn wächst demnach von der Basis aus, während ein Geweih an der Spitze wächst und Knochenmaterial von der Basthaut nach innen abgegeben wird. 66

Mufflons tragen im Winter ein wolliges Fell, das dem der Schafe sehr ähnlich ist (siehe Abb. 14).

Nachgewiesen ist, dass bereits im 18. Jahrhundert Mufflons aus Korsika zunächst in den Wiener Tierpark Belvedere und dann in das Jagdgebiet Lainz bei Wien gebracht worden sind. 1868 gab es in der Slowakei die erste Einbürgerung in freier Wildbahn und 1902 in Deutschland. 67 Grund der Einbürgerung war meist die Jagd. Schon nach wenigen Jahren überstiegen die eingebürgerten Mufflonpopulationen die Populationen auf Korsika und Sardinien. Dort sind sie als gefährdet eingestuft. 68 Verbissschäden durch Schälen von Baumrinde führten zur notwendigen Bejagung. In Bayern sind die Abschusszahlen der letzten Jahre leicht rückläufig und lagen 2010/2011 bei ca. 100 geschossenen Tieren. 69

Das Mufflon wird als eine der Arten angesehen, die für die Domestizierung der Wildschafe in Frage kommen. Eine genaue Rekonstruktion der Verpaarungen zur Bildung von Hausschafen konnte allerdings bis heute noch nicht vorgenommen werden, da viele Unterarten dafür in Frage kommen.

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61  WALKER, 1975
62  WALKER, 1975
63  WALKER, 1975
64  NOWAK, 1991
65  WALKER, 1975
66  BUBENIK, 1966
67  TÜRCKE, 1965
68  NOWAK, 1991
69  Landesjagdverband Bayern e. V., 2012

Bildquelle:
Foto: Christian Haberl