Schleiereule (Tyto alba)


Abbildung 1: Porträt einer Schleiereule; Kurt F. Domnik / pixelio.de

Mit Ausnahme besonders kalter, schneereicher Gegenden sowie sehr heißer, trockener Sandwüsten ist die Schleiereule fast auf der ganzen Welt verbreitet. Ihren Namen verdankt sie ihrem herzförmigen Gesichtsschleier. In manchen Gegenden wird sie deswegen auch „Herzeule“ genannt. Die Schleiereule hat im Vergleich zu vielen anderen Eulenvögeln keine Ohrfedern und verhältnismäßig kleine schwarze Augen. Die Farbe des Gefieders variiert von Eule zu Eule stark. Die Oberseite hat meist eine bräunliche Grundfarbe mit verschieden stark ausgeprägten perlgrauen oder schwarz-weißen Flecken. Die Unterseite ist je nach Unterart der jeweiligen Schleiereule anders gefärbt.

Man unterscheidet zwei Unterarten der Schleiereule: Die Unterart Tyto alba alba hat eine kaum gezeichnete, weiße Unterseite und kommt in Süd- und Westeuropa, sowie in Großbritannien und Irland vor. In Mitteleuropa hingegen ist die Unterart Tyto alba guttata verbreitet. Das Wort „guttata“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet übersetzt „getropft“. Diese Form der Schleiereule hat eine meist braune und deutlich gefleckte Unterseite. Im Westen von Mitteleuropa und in Deutschland vermischen sich die beiden Unterarten, wodurch es zu vielen verschiedenen Färbungen kommt.
Die Schleiereule ist mit einer Größe von ungefähr 34 cm ein mittelgroßer Vogel. Sie hat sehr lange Flügel, die eine Spannweite von bis zu 98 cm erreichen können. Männchen und Weibchen unterscheiden sich kaum voneinander. Trotz der gleichen Größe sind Männchen durchschnittlich etwas leichter als Weibchen.1

Die Paarbildung geht bei Schleiereulen hauptsächlich vom Männchen aus. Je nach Witterung beginnt es ungefähr Anfang März laut kreischend einen möglichen Brutplatz zu umfliegen und dadurch ein Weibchen anzulocken. 2 Da sowohl Männchen als auch Weibchen eine starke Bindung an den Brutplatz des Vorjahres haben, treffen sie sich dort meist wieder. Oft bilden sie über mehrere Jahre mit demselben Partner ein Paar. Schleiereulen bevorzugen ein Nest in geräumigen, dunklen und störungsfreien Nischen, die gut angeflogen werden können. Solche Plätze finden sich meist in Kirchtürmen, Dachböden, Scheunen, Windmühlen oder ähnlichen Gebäuden. Das Nest besteht aus einer Schicht alter und zerfallener Gewölle. Ungefähr einen Monat nach dem ersten Kontakt von Männchen und Weibchen findet die Paarung statt. Das Weibchen legt meist vier bis sieben Eier, die es alleine ausbrütet. Nach einer Brutdauer von circa 32 Tagen schlüpfen die jungen, noch blinden Eulen. 3  In der nächsten Zeit bleibt das Weibchen durchgehend bei den Jungen und behudert (wärmt) sie. Das Männchen geht auf Nahrungssuche. Es übergibt die Beute dem Weibchen, das sie in Stückchen zerteilt und die Jungvögel damit füttert. Nach fünf bis sechs Wochen wiegen die Jungvögel mehr als ihre Eltern. Nach sieben Wochen erkunden sie laufend die nähere Umgebung des Nests. Mit etwa neun Wochen werden die jungen Eulen flugfähig und verlassen während der Nacht das Nest. In einem Alter von drei Monaten werden sie dann völlig selbstständig und von den Eltern aus dem Nestbereich vertrieben. 4

In Mitteleuropa finden Schleiereulen dort eine günstige Lebensgrundlage, wo noch traditionelle und ursprüngliche landwirtschaftliche Betriebe vorzufinden sind. Kleinere Dörfer mit Kirchen und Bauernhöfen stellen zum einen passende Brutplätze zur Verfügung, zum anderen kann die Schleiereule auf den Feldern und in der Nähe von Scheunen und Getreidespeichern ausreichend Nahrung finden. Hier kann sie nachts zahlreiche kleine Säugetiere, wie zum Beispiel Mäuse, jagen. 5 Durch Vergittern oder Schließen von Einfluglöchern aber auch durch Modernisierung landwirtschaftlicher Gebäude gehen immer mehr geeignete Brutplätze für die Schleiereule verloren. Ihr Bestand hat in Mitteleuropa daher in den letzten Jahrzehnten stark abgenommen. 6 Für die Erhaltung der Schleiereule werden deshalb zunehmend Schutzmaßnahmen nötig, wie sie beispielsweise der „Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V.“ mit dem Projekt „Lebensraum Kirchturm“ initiiert.

Literaturverzeichnis

    • Brandt, T., & Seebaß, C. (1994). Die Schleiereule. Ökologie eines heimlichen Kulturfolgers. Wiesbaden: AULA-Verlag GmbH.
    • Glutz von Blotzheim, U. N., & Bauer, K. M. (1980). Handbuch der Vögel Mitteleuropas (Bd. 9). Wiesbaden: Akademische Verlagsgesellschaft.

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    1  Brandt & Seebaß, 1994
    2  Brandt & Seebaß, 1994
    3  Glutz von Blotzheim & Bauer, 1980
    4  Brandt & Seebaß, 1994
    Brandt & Seebaß, 1994
    6  Glutz von Boltzheim & Bauer, 1980