Stockente (Anas platyrhynchos)


Abbildung 1: Stockentenpaar; Foto: Sebastian Dorsch

In Deutschland ist die Stockente die am häufigsten vorkommende Entenart. Man trifft sie an jedem größeren Gewässer an. Das Männchen, der Erpel, ist von September bis April leicht an seinem auffälligen Prachtkleid zu erkennen.1 In dieser Zeit ist der Kopf dunkelgrün gefärbt, um den Hals ist ein weißer Ring sichtbar und das Gefieder an der Brust ist braun. Das restliche Jahr sieht der Erpel in seinem Schlichtkleid dem Weibchen ähnlich und unterscheidet sich hauptsächlich durch seinen gelben Schnabel von ihm. Das Gefieder des Weibchens ist das ganze Jahr über sehr schlicht und unauffällig gefärbt. Durch seine schmutzig braune Musterung und den braunen Schnabel kann es sich gut tarnen. Sowohl Männchen als auch Weibchen haben eine metallisch blaue Zeichnung auf den Flügeln, die sogenannten Flügelspiegel. Stockenten werden ungefähr 50 bis 60 cm groß. 2

Der Erpel beginnt mit seiner Balz schon im September, am intensivsten ist sie jedoch im Februar und im März. Während dieser Zeit der Hochbalz wiederholt er seine Balzgesten ungefähr alle 30 Minuten. Die Ente entscheidet sich für eines der balzenden Männchen. Nach der Paarung bauen die Stockenten ein gut verstecktes Nest auf dem Boden, das sie mit Halmen und Dunen auspolstern. 3 Das Weibchen legt zwischen sieben und elf Eier und beginnt erst mit der Ablage des letzten Eis zu brüten. Die Eier sind oval und meist bläulich grün gefärbt. Wie bei allen Gänse- und Entenvögeln sind die jungen Stockenten Nestflüchter und nach dem Schlüpfen bereits hoch entwickelt. Im Alter von acht Wochen sind die Jungvögel voll flugfähig und lösen sich von der Führung durch die Mutter. 4

Die Stockente ist ein gutes Beispiel für die Lebensweise und Biologie von Wasservögeln:

Der kahnförmige Körper sorgt für eine stabile und sichere Lage auf dem Wasser.

Durch die relativ weit hinten am Rumpf ansetzenden Beine, sowie die verkürzten Ober- und Unterschenkel, wirken Stockenten an Land mit ihrem watschelnden Gang etwas unbeholfen. Im Wasser können sie ihre kurzen Schwimmfüße jedoch perfekt als Ruder einsetzen. Bei jedem Rückschlag werden die Zehen gespreizt. Die Schwimmhäute zwischen den Zehen bilden dadurch eine Fläche, die dem Wasser einen hohen Widerstand entgegensetzt. Der Rückschlag erfolgt dagegen mit gebeugten Zehengelenken, die Schwimmhäute sind dabei gefaltet.

Auf dem Rücken einer Stockente, in der Nähe der sogenannten Erpelfedern, befindet sich die Bürzeldrüse. Diese gibt ein ölhaltiges Sekret ab, mit dem sich die Ente regelmäßig ihre Deckfedern einfettet. Diese Fettschicht auf dem Gefieder sorgt dafür, dass das Wasser abperlt und somit nicht an den Körper der Stockente gelangt.

Zwischen Deckfedern und Körper der Ente befinden sich die Dunenfedern. Diese schließen durch ihren lockeren Aufbau viel Luft ein. Diese Luftschicht wirkt zum einen wärmespeichernd, zum anderen dient sie als Luftkissen, das die Ente auf dem Wasser trägt. Damit über die Haut der nackten Füße im Winter nicht zu viel Wärme verloren geht und sie auf Eis nicht festfrieren, sorgt ein Gegenstrom-System in den Beinen für eine Anpassung der Temperatur der Füße an die der Umgebung. Die Blutgefäße, die das Blut aus dem Körper in die Füße transportieren (Arterien) und die Blutgefäße, durch die es von dort zurück ins Körperinnere fließt (Venen), berühren einander. Das warme Blut, das in die Füße fließt, wärmt das kalte Blut, das aus den Füßen kommt, und kühlt dabei ab. Dadurch erhalten die Füße der Stockente im Winter nur kaltes Blut. Das Eis, auf dem sie stehen, taut nicht auf und ihre Füße frieren nicht fest. Das gleichzeitige Erwärmen des zurückfließenden Bluts aus den Füßen in den Körper der Ente verhindert dessen Auskühlung.

Ihre Nahrung findet die Stockente entweder an der Wasseroberfläche oder an flachen Stellen im Gewässer. Beim „Gründeln“ taucht sie mit dem Kopf unter die Wasseroberfläche und reckt dabei ihren Schwanz steil aus dem Wasser. Die Ente tastet den Boden mit ihrem abgerundeten Schnabel ab und nimmt durch leichtes Öffnen und Schließen des Schnabels nahrungsreichen Schlamm auf. Der innere Schnabelrand ist mit Hornlamellen besetzt, die als Seihapparat dienen. Die Stockente presst das schlammige Wasser durch den geschlossenen Schnabel nach außen. Dabei fängt sie mit den Lamellen und der Zunge die Nahrungsteilchen aus dem Wasser ab. 5

Literaturverzeichnis

      • Bauer, K. M., & Glutz von Blotzheim, U. N. (1968). Handbuch der Vögel Mitteleuropas (Bd. 2). Frankfurt am Main: Akademische Verlagsgesellschaft.
      • Erdmann, B. (Mai 1998). Die Stockente - Ein Schwimmvogel. Unterricht Biologie (234), S. 13-18.
      • Haag, H. (2012). Was fliegt denn da? Stuttgart: Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co KG.
      • Sauer, F. (1982). Wasservögel. (G. Steinbach, Hrsg.) München: Mosaik Verlag GmbH.

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      1  Bauer, Kurt M., Handbuch der Vögel Mitteleuropas, 2 – Anseriformes, S. 375-383
      2  Haag, Holger, Was fliegt denn da?, S. 70
      3  Sauer, Frieder, Wasservögel, S. 108
      4  Bauer, Kurt. M., Handbuch der Vögel Mitteleuropas, 2 – Anseriformes, S. 401-405
      Erdmann, Bärbel, Die Stockente, ein Schwimmvogel, S. 13-18