Waschbär (Procyon lotor)


Abbildung 29: Waschbär

Der Waschbär ist vom Süden Kanadas bis über ganz Mittelamerika verbreitet. Er lebt in bewaldeten Gebieten mit Zugang zu Wasser.

Die Körperlänge des Waschbären beträgt zwischen 41,5 cm und 60 cm, die Schwanzlänge weitere 20 cm bis 40,5 cm. Die Schulterhöhe ist zwischen 22,8 cm und 30,4 cm. Der Waschbär wiegt zwischen 2 kg und 12 kg. Die Fellfärbe ist grau bis schwarz. Schnell zu erkennen sind Waschbären an der schwarzen Gesichtsmaske und dem Schwanz, der 5 bis 10 charakteristische Ringe besitzt (siehe Abb. 29). Die Vorderzehen der Waschbären sind lang und werden ähnlich geschickt genutzt, wie Affen ihre Hände und Füße einsetzen. Waschbären werden ungefähr zehn Jahre alt. 112

Bei Waschbären handelt es sich um nachtaktive Tiere und Einzelgänger. Waschbären sind Allesfresser, bevorzugen aber im Wasser lebende Tiere oder fressen Nüsse, Getreide und Früchte. Sie halten keinen Winterschlaf ab, d. h. ihre Körpertemperatur wird in Schlafphasen im Winter nicht herabgesetzt. Dennoch zehren sie im Winter von ihren im Herbst angefressenen Fettreserven und verlieren bis zum Frühjahr rund 50% ihres Gewichts. Der Name „Waschbär“ kommt vom „Waschen“ des Futters im Wasser, was aber nur in Gefangenschaft beobachtet wird. 113

Die Paarungszeit findet von Januar bis Juni statt. Die Fähe bringt nach einer durchschnittlichen Tragzeit von 63 Tagen in der Regel drei bis vier Junge zur Welt. Mit einem Alter von zehn Wochen ist der Nachwuchs groß genug, um mit der Mutter umherzuziehen. Nach einem Jahr verlassen sie ihre Mutter. 114

Das Auftreten des Waschbären in Deutschland hat seinen Ursprung in Pelztierfarmen. Dort wurde er als Pelzlieferant gehalten. Durch Ausbrüche im Laufe des 20. Jahrhunderts konnte er sich in Deutschland verbreiten. Der erste Ausbruch fand bereits 1927 statt. 115 Da sich die klimatischen Bedingungen in Nordamerika und Deutschland ähneln, ist es verständlich, dass die Verbreitung für den Waschbären auch bei uns relativ unproblematisch möglich ist. Die Population am Edersee in Hessen wurde durch zwei Paare gegründet, die 1934 dort ausgesetzt wurden. Durch Ausbrüche aus Pelztierfarmen folgten weitere Tiere und führten zu weiteren Populationen, die sich zwar bisher noch nicht vermischt haben, aber schnell anwachsen. 116 Von 1930 bis 1954 waren die Waschbären zunächst unter Naturschutz gestellt. Dieser Status wurde schließlich wieder aufgehoben. Da der Waschbär als Neozoe 117 gilt und die ökologischen Auswirkungen seines Vorhandenseins nicht absehbar sind, darf er das ganze Jahr über ausnahmslos gejagt werden. 118 Der Waschbär hat keine natürlichen Feinde und könnte deshalb durch unkontrollierte Vermehrung Schäden (z. B. an der Population von Beutetieren) anrichten, die zumindest zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht eingetreten sind.

Als Neozoen gelten in Deutschland neben dem Waschbär auch andere Tiere, die es in der Höllohe zu sehen gibt, wie z. B. der Damhirsch, das Mufflon oder das Wildkaninchen. Alle drei wurden zum selben Zweck eingebürgert: zur Jagd.

Die beiden Waschbären ergänzen den Tierbestand des Wildparks Höllohe ebenso wie die beiden Esel erst seit kurzer Zeit.

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112  WALKER, 1975
113  NOWAK, 1991
114  WALKER, 1975
115  NIETHAMMER, 1963
116  GEITER, 2002
117  Neozoen:     „Vom Menschen eingeführte standortfremde Tierarten.“ (PURVES, SADAVA, ORIANS, & HELLER, 2006, S. 1367)
118  GEITER, 2002

Bildquellen:
Abb. 29: upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/f/f1/Procyon_lotor_qtl2.jpg/300pxProcyon_lotor_qtl2.jpg