Weißstorch (Ciconia ciconia ciconia)


Abbildung 1: Stockentenpaar; Foto: Sebastian Dorsch

Das Gefieder des Weißstorchs ist bis auf die schwarzen Schwungfedern komplett weiß. Die Stelzbeine und der lange Schnabel fallen durch ihre leuchtend rote Farbe auf. Um die Augen und an der Kehle befinden sich nackte schwarze Hautstellen. 1 Die Größe des Weißstorchs beträgt zwischen 95 und 110 cm. 2 Das Gewicht schwankt je nach Alter und Geschlecht der Vögel zwischen 2700 und 4400 g. Im Laufe des Sommers nehmen die Störche bis zu 600 g zu. 

Es ist sehr schwierig Männchen und Weibchen voneinander zu unterscheiden. Bei direkter Vergleichsmöglichkeit ist das Männchen meist etwas größer und hat einen etwas längeren Schnabel als das Weibchen. 3

Weißstörche verbringen die Winter im Süden. Im März kommen sie in ihr Brutgebiet zurück, in dem sie sich bis zum Herbst aufhalten. Sie leben in der Nähe von Gewässern und feuchten ungenutzten Wiesen, da sie dort ihre Nahrung finden. Auf dem Speiseplan stehen vor allem Kleintiere wie Frösche, Mäuse, Regenwürmer und Insekten. 4 Da in Mitteleuropa in den letzten Jahrzehnten viele Feuchtgebiete trockengelegt wurden und der Einsatz von landwirtschaftlichen Giften zugenommen hat, ist der Weißstorch hier immer seltender anzutreffen. 5

Störche brüten das erste Mal, wenn sie zwischen zwei und sechs Jahre alt sind. Die noch nicht geschlechtsreifen Vögel verbringen die Brutzeit gemeinsam in größeren Gruppen. Die Weißstörche besitzen eine starke Bindung zu ihrem Nest (Horst). Deshalb kommen sie jedes Jahr in dasselbe Brutgebiet zurück und gehen dort eine Brutehe ein. Meist trifft das Männchen vor dem Weibchen am alten Horst ein, besetzt und verbessert diesen oder beginnt mit dem Bau eines neuen Nests. Storchennester liegen frei und hoch auf Dächern, Schornsteinen, Türmen oder auch Bäumen. 6 Sie werden jedes Jahr verbessert und weiter ausgebaut und oft über mehrere Jahrzehnte benutzt.  7 So können ältere Horste einen Durchmesser von bis zu zwei Metern erreichen und ungefähr 500 kg wiegen. Zum wartenden Männchen gesellt sich meist dasselbe Weibchen wie im Vorjahr. Es kommt aber auch zu Neuverpaarungen. Das Nest wird von dem Paar gemeinsam gegen andere Störche verteidigt. 8
 
Die Begattung findet im Nest statt und wird zwei Wochen lang ungefähr fünf bis zehn Mal täglich wiederholt. Das Weibchen legt jeweils mit einem Abstand von circa 48 Stunden bis zu sieben Eier. Die Eier sind weiß und ungefleckt. Männchen und Weibchen wechseln sich mit dem Brüten der Eier ab, bis nach ungefähr 34 Tagen meist zwei bis fünf Jungvögel schlüpfen.  9

Die fast nackten Jungen öffnen nach wenigen Stunden die Augen und klappern schon nach wenigen Tagen mit ihrem schwärzlichen Schnabel. Bis zum 25. Lebenstag werden die schutzbedürftigen Jungvögel stets von einem der Eltern bewacht. Nach ungefähr zwei Monaten werden die Jungen flügge und folgen von nun an den Eltern zu Feldern und Wiesen. Im Alter von etwa drei Monaten sind die jungen Störche dann völlig selbstständig. 10

Abbildung 2: Flugroute des Weißstorchs; rette-die-natur.ning.com/group/storche (abgerufen am 23.09.2014)

Weißstörche sind Zugvögel und verlassen ihre Brutgebiete zwischen Mitte August und Anfang September um in den Süden zu ziehen. Auf dieser Reise nach Afrika legen sie in einem Zeitraum von etwa drei Monaten bis zu 10 000 km zurück. Oft fliegen die Störche an einem Tag mehr als 200 km weit. 11 Als gute Segelflieger nutzen die Weißstörche warme Luft unter ihren Flügeln, die es ihnen ermöglichen mit nur wenigen Flügelschlägen sehr energiesparend zu fliegen. Diese thermischen Aufwinde existieren allerdings nur über Land, weshalb die Weißstörche den viel anstrengenderen Ruderflug über offenem Meer vermeiden. Statt die relativ kurze Strecke quer über das Mittelmeer nach Afrika zu fliegen, nehmen sie deshalb weite Umwege über Spanien (Westroute) oder die Türkei (Ostroute) in Kauf. 12


Literaturverzeichnis

        • Bauer, K. M., & Glutz von Blotzheim, U. N. (1966). Handbuch der Vögel Mitteleuropas (Bd. 1). Frankfurt am Main: Akademische Verlagsgesellschaft.
        • Creutz, G. (1985). Der Weißstorch. Wittenberg: A.Ziemsen Verlag.
        • Haag, H. (2012). Was fliegt denn da? Stuttgart: Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co KG.
        • Jonsson, L. (2010). Die Vögel Europas und des Mittelmeerraumes. Stuttgart: Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG.

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        1  Bauer & Glutz von Blotzheim, 1966
        2  Haag, 2012
        3  Bauer & Glutz von Blotzheim, 1966
        4  Haag, 2012
        Jonsson, 2010
        6  Bauer & Glutz von Blotzheim, 1966
        7  Creutz, 1985
        Bauer & Glutz von Blotzheim, 1966
        9  Creutz, 1985
        10  Creutz, 1985
        11  Creutz, 1985
        12  Haag, 2012